Gschichtln
(K)ein Reisebericht über Namibia   von Herbert Kaiser

Es ist schon sehr praktisch, wenn man einen Freund wie Heini hat. Ein Reisegefährte und „Zigarettenanzünder“, den man sich nur wünschen kann.


Auf unserer letzten Mineralien-Tour (April/Mai 2007) durch Namibia (Heini`s 12. Fahrt mit mir) haben wir wieder Gegenden bereist, die wir noch nicht gesehen hatten.
Dieses mal war es die Strecke von Kamanjab zu den Ruacana-Wasserfällen an der Angolagrenze.

Mineralogisch lässt diese Strecke zwar alle Wünsche offen, aber die Gegend ist so gegensätzlich zu den üblicherweise gezeigten Bildern …



Die Straßenverwaltung ist dabei, diesen Abschnitt zu asphaltieren.
Andreas Palfi aus Windhoek (Namibia Minerals und Geo Tours Namibia), der im Jänner 2007 mit Dr. Niedermayr vom Naturhistorischen Museum Wien und dessen Gattin diese Strecke zurücklegte, gab uns diese Information. Im April war die asphaltierte Strecke zwar auch noch nicht weiter, aber die Umleitung parallel zur Baustelle war tadellos.

Unseren ersten Blick auf den Kunene haben wir vom Rande des Abbruches ins Kunene-Tal genossen. Am Flussufer war`s mit dem Genießen vorbei.
Nahezu 100 % Luftfeuchtigkeit bei 40 Grad im Schatten lassen keinen Übermut aufkommen.

 

 

 

 

Die Wasserfälle des Ruacana sind beeindruckend. Störend wirkt nur der Damm des Kraftwerkes oberhalb der Fälle.

 

 

 

 

 

 

Im „Hyppo-Pool“ waren keine Flusspferde, aber einige Einheimische, welche die Temperatur mittels regelmäßigem Untertauchens besser verkrafteten als wir.

Nach zwei Stunden und etlichen Fotos in der Dampfkammer sahen wir zu, dass wir wieder an Höhe gewannen.

Die Fahrt Richtung Süden war nur ein bisschen abenteuerlich. Von Kamanjab bis zur Grenze im Norden gibt es keine Zäune längs der Straße. Jeder Viehhirte, der ein Auto schon Minuten, bevor es auf seine Höhe kommt, hört, treibt seine Kuh-, Ziegen- oder Schafherden über die Straße. Das Timing ist perfekt.
Man muß stehen bleiben, um die letzten fünf Tiere passieren zu lassen, was der schlaue Hirte ausnutzt, um Zigaretten, Wasser oder Süßigkeiten zu schnorren.

Ab der Abzweigung nach Opuwo sind wir wieder asphaltmäßig unterwegs. Abgesehen von den schon erwähnten Tieren, sahen wir auch eine Menge Kudus, Gemsböcke, Warzenschweine und einen Bushbock auf dieser Strecke. Endlich Opuwo. Palfi`s Syncro-Volkswagenbus, den er uns zur Verfügung gestellt hatte, lechzte trotz zweier Tanks nach Benzin, was wir ihm nach 900 km nicht verübelten. Die Tankstelle befindet sich unmittelbar neben dem „Lagerhaus/Supermarkt“, welches ein entsprechend kommerziell aussehendes Gebäude ist.
Im Schatten hielten sich etliche, dem Wetter und der Tradition entsprechend wenig bekleidete Ova-Himba Damen auf. 

Hier zeigte sich Heini`s Talent, kein Fettnäpfchen auszulassen. Während ich die Tanks aufsperrte, um die 120 Liter Luft herauszulassen, nahm er seinen Fotoapparat aus dem Handschuhfach und hantierte damit herum.

Eine der etwas reiferen Schönheiten war der Meinung, dass er sie fotografiert hatte und kam zum Fenster an der Beifahrerseite. Der Fotoapparat war zwar schon wieder im Handschuhfach, aber Heini war da und somit das Ziel eines Wortschwalls in Himba. Die offene Hand war verständlich, aber der Rest eigentlich nicht.

Heini hatte kein Foto gemacht und war nicht bereit, für kein Foto zu bezahlen. Die Ova-Himba Lady war anderer Meinung und tat dies lauthals kund. Die „Petrol Boys“ und ich bogen uns vor Lachen über die Situationskomik. Endlich waren die Tanks voll und wir konnten die „Bühne“ verlassen.

Unser nächstes Ziel war Marius Steiner´s „Camp Aussicht“, wo wir uns schöne Dioptase aus Marius´Fundstelle Omaue sowie eine geführte Tour zur neuen Shattuckit- und Dioptasmine Kandesei erhofften (das wird ein anderes Gschichtl).

Andreas Palfi hatte mich über die Route informiert und wir bogen nach Überquerung einer Brücke nach links ab. Schon nach kurzer Zeit wünschte ich mir, dass der Kombi ein Automatikgetriebe hätte. In diesem Teil Namibias ist Regenfallnicht wirklich rar, und entsprechend häufig sind Querrinnen in der Straße, die an einem Berghang entlang führt.
Also stellte ich meinen linken Arm auf Automatik um und ließ ihn zwischen erstem und zweitem Gang pendeln. Einige Kilometer weiter (sogar schon im dritten Gang) lief uns eine Ova-Himba Schöne über den Weg.
Groß, schlank, jung und voller Geschäftssinn. Sie winkte uns zu und naturgemäß hielten wir an. Etwa 150 Meter von der Straße war ein kleiner Kraal und im Schatten eines Baumes saßen noch einige Matronen und etliche Kinder. Stilvoll und soo authentisch mit den schönen Frisuren und der rotbraunen Haut, deren Farbe mit Hilfe von Ocker und Fett erzielt wird.

Nachdem wir diese Idylle digital abgelichtet hatten, wollte Heini unbedingt mit der Dorfschönen auf einem Foto sein. Die junge Frau war nicht scheu (100 Nam Dollar halfen da mit),und umarmte Heini, der auch nicht scheu ist. Ich machte ein paar Fotos von dem ungleichen Paar, welches sich daraufhin wieder trennte.
Bis auf einiges von ihrer Farbe, welche nun an Heini haftete. Bis zur nächsten Waschgelegenheit zündete ich mir meine Zigaretten wieder selbst an.

Eine weitere Episode unserer Rundfahrt kommt demnächst...

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